Montag, 21. November 2016

Der gute alte Pythagoras

Kürzlich habe ich diesen Stern aus einer Jelly Roll genäht und in meiner Patchworkgruppe bei Facebook gezeigt:




Von den vielen "likes" und freundlichen Kommentaren war ich völlig geplättet.

Und ich bin gefragt worden, wie man diesen Stern näht. Also schreibe ich hier mal die Entstehung dieses Sterns auf:

Eigentlich ist das alles nichts Neues und ich will auch nicht das Rad nochmal erfinden. Aber mit diesen Angaben könnt Ihr den Stern in jeder beliebigen Größe und ohne (!) 60 ° Triangle Lineal nähen.

Zunächst hatte ich dieses Video bei YouTube gesehen. Den Stern fand ich total toll, aber 2 Dinge störten mich, der Wahnsinnsverschnitt und die Verwendung von einem 60 ° Lineal. (Ich arbeite nicht gerne mit Dreiecklinealen.)

Also hab ich weiter im Netz gesucht und bin auf diese Seite gestoßen. Diese Methode gefällt mir und das geht auch mit einem ganz normalen Quiltlineal.

Aaaaber: Die Streifen meiner Jelly Roll hatten eine andere Breite als dort angegeben.

Also musste ich mich wohl oder übel mit dem guten alten Pythagoras auseinander setzen. Aber dazu später mehr.

Also, so hab ich es gemacht:

Zunächst 2 gleich breite Streifen rechts auf rechts zu einem Tunnel aufeinander nähen.



Einen der beiden Streifen kann man auch noch in 2 schmalere Streifen unterteilen, dann entsteht so ein Effekt mit kleinem Stern in der Mitte wie bei dem grauen Beispiel ganz oben.

Von diesem Tunnel schneidet ich nun 3 (!) Stücke ab. Um zu wissen, wie lang diese Stücke sein müssen, kommt an dieser Stelle Pythagoras ins Spiel:

a² + b² = c²




a = Höhe des Dreiecks
b = Breite des zugeschnittenen Streifens (incl. Nahtzugabe!)
c = 2 x b (weil es sich um gleichseitiges Dreieck handelt)

a ist also die Länge der Stücke, die ich vom Tunnel abschneiden muss.

Und wenn man die Formel dann umstellt, ergibt sich:



Die Streifen in diesem Beispiel hier sind 10 cm breit. Nach der obigen Formel sind die Stücke, die ich abschneiden muss, also 17,32 cm lang.

Das ist ein saublödes Maß für ein Patchworklineal, aber machbar:



Diese Stücke schneide ich nun diagonal durch und lege dafür das Lineal mit der 30 ° Linie an der linken Kante an:



 Die 2-3 Stiche an der Spitze lassen sich leicht entfernen:


Ich erhalte so 2 identische 60 ° Dreiecke:



Wenn ich beim Durchschneiden die andere Seite des Tunnels nach oben lege, erhalte ich folgende Dreiecke:





Das habe  ich für dieses Beispiel je 3 x gemacht und habe so jeweils 6 Dreiecke erhalten:


Nach dem Bügeln könnt Ihr nun mit den Dreiecken spielen und verschiedene Sternvarianten ausprobieren:




Wie man hier sehen kann, dreht sich der Stern mal im Uhrzeigersinn und mal entgegen, je nachdem, wie man die Dreiecke schneidet.

Wenn es dann ans Zusammennähen geht, werden erst Streifen gebildet, die dann wieder zusammen genäht werden. Das ist vor allem bei dem grauen Beispiel ganz oben wichtig.





So, ich hoffe, das war einigermaßen verständlich. Die schlechte Bildqualität müsst Ihr entschuldigen. Bei Tageslicht draußen fotografieren ist im Moment (November und so) einfach nicht möglich.

Diese Sterne gehen ratz-fatz und sind bis zum 1. Advent noch zu schaffen. Also ran an die Maschinen und Sterne nähen!

Ich wünsche Euch ganz viel Spaß beim Nacharbeiten und freu mich über Kommentare mit Euren Erfahrungen.

Liebe Grüße

Claudia